Sven Hedin


Der Schwede Sven Hedin - seit 1902 Sven von Hedin - lebte von 1865 bis 1952. Beeindruckt von zeitgenössischen Reiseforschern, besonders von dem schwedischen Polarforscher Adolf Erik Freiherr von Nordenskiöld beschäftigte Hedin sich seit seiner Jugendzeit mit fremden Ländern und Karten. Er zeichnete im Alter von 14 Jahren (1881/82) Kartenblätter für einen sechsbändigen Weltatlas, die von außergewöhnlicher Qualität und Exaktheit sind (Originale in der Sven Hedin Stiftung). Nach dem Abitur (1885) trat er eine Stelle als Hauslehrer in Baku an und unternahm von dort aus seine erste Reise durch Persien. 1886 begann er seine wissenschaftlichen Studien bei dem Geologen Waldemar Brøgger in Stockholm. In der Folgezeit freundete sich Hedin mit dem norwegischen Nordpolarforscher und Zoologen Fridtjof Nansen (1861-1930) an und studierte in den folgenden Jahren in Uppsala sowie insgesamt 8 Monate bei Feiherr Ferdinand von Richthofen (1833 - 1905) Geographie in Berlin. Von März 1889 bis April 1891 reiste er durch Persien, so daß seine Studien an der Universität unterbrochen wurden. Schließlich promovierte ihn A. Kirchhoff 1892 in Halle mit der Arbeit "Der Demavend nach eigener Beobachtung".


Aufforderung Hedins zur mündlichen Doktorprüfung durch den Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Halle, Professor Dr. Droysen (Original: Sven Hedin Archiv [SHA] Stockholm 457 Tyskland Di-Du).

Von 1893 bis 1897 führte Hedin seine erste große Expedition nach Zentralasien durch, der weitere folgten und die ihn zum bekanntesten Asienforscher seiner Zeit machten. 1927 bis 1935 organisierte er u.a. mit der finanziellen Unterstützung der deutschen Reichsregierung unter dem Deckmantel der Deutschen Lufthansa einen großen wissenschaftlichen Mitarbeiterstab, der Forschungen in der Wüste Gobi und in chinesisch Turkestan durchführte. Die Ergebnisse dieser Forschungen wurden und werden bis heute in den "Reports from the scientific expedition to the north-western provinces of China under leadership of  Dr. Sven Hedin. The sino-swedish expedition" veröffentlicht.

Zurück von seinen Reisen schrieb und publizierte er unzählige Artikel und Bücher vor allem populärwissenschaftlicher Art. Darunter die Abenteuer- und Jugendromane, durch die er bis heute einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist. 

Hedin wuchs in einem konservativen monarchistisch eingestellten Elternhaus auf. Als einer der letzten Schweden wurde er 1902 vom schwedischen König geadelt. Hedin war auch beeindruckt vom deutschen Kaiserreich und der politischen Atmosphäre, die er während seines Studiums in Berlin erlebt hatte. Zeit seines Lebens behielt er ein verklärtes romantisiertes Deutschlandbild, in dem Deutschland die Rolle einer Weltmacht hatte. Daher war er tief betroffen als Deutschland den Ersten Weltkrieg verlor, den Krieg, an dessen Fronten er die Generäle der Mittelmächte besucht hatte und der Krieg, in dem die Rolle der Deutschen von Hedin in mehreren Büchern glorifiziert worden war. Hedin begrüßte die Machtübertragung an die Nationalsozialisten, da ihm Hitler als der Hoffnungsträger schlechthin erschien. Hitler war für ihn derjenige, der Deutschlands "Stellung in der Welt" retten und das Land von der "Schmach von Versailles" befreien konnte. Er behielt dieses Bild bis kurz vor Kriegsende und sogar darüber hinaus bei, wie nicht nur in seinem Briefwechsel mit Hitler (SHA 471 Tyskland Hitler) und dessen Schwester Paula deutlich wird. Hedin bewunderte Hitler als "Führer" und Politiker, Hitler verehrte Hedin, dessen Bücher er in seiner Jugend gelesen hatte. Zwischen 1933 und 1945 hielt sich Hedin häufig in Deutschland auf, oft in Berlin, wo er Kontakt zu den meisten NS-Funktionären unterhielt. Er hielt Vorträge und Reden, stellte seine Reisen und Bücher vor, "beriet" - wie er glaubte - Hitler in außenpolitischen Fragen (vgl. Hillgruber 1967) und sammelte 1936 Material für ein Buch, in dem er der Welt beschreiben wollte, wie das nationalsozialistische Deutschland wirklich sei.

In der schwedischen Öffentlichkeit waren die Meinungen über Hedin, wie die zeitgenössische Presse belegt, spätestens seit dem Ersten Weltkrieg geteilt. Je nach politischer Zuordnung bewunderte man ihn ob seiner Fernreisen und Expeditionen, verurteilte ihn wegen seiner politischen Haltung gegenüber Deutschland und später den Nazis. Häufig wurde er von politischen Gegnern belächelt und nicht ernstgenommen, wie sowohl Aussagen von Zeitgenossen des öffentlichen Lebens in Schweden als auch eine umfangreiche Karikaturensammlung in der Sven Hedin Stiftung belegen. Nach dem II. Weltkrieg wollte Hedin nicht wahrhaben, welche Verbrechen von den Nationalsozialisten begangen wurden. In der schwedischen Öffentlichkeit wurde er persona non grata. Seine Briefkontakte zu seinen persönlichen und politischen Freunden in Deutschland brachen auch in der Nachkriegszeit bis zu seinem Tode 1952 nicht ab.

Sven Hedin war Geograph, Asienforscher, Verfasser zahlreicher Bücher, Abenteurer, Bewunderer der Nationalsozialisten und auch eine widersprüchlich schillernde Person, ein eitler Mensch, der von Jugend auf berühmt werden wollte und die entsprechende Kraft aufwandte, um seine eigene "PR" mit Hilfe seiner Geschwister zu betreiben. 

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