SvenHedin und die deutsche Geographie

ArbeitskreisGeschichte der Geographie
Mitarbeiter:

Prof. Dr. Hans Böhm

Dipl. Geogr. Astrid Mehmel

Christoph Spieker, M.A.

Das Vorwort zur deutschen Ausgabe seinesReiseberichtes "Transhimalaja" benutzte Hedin 1909, um "öffentlich[seine] tiefe, aufrichtige Dankbarkeit für die große Ehre auszusprechen,die Seine Majestät der Deutsche Kaiser [ihm] zu erweisen geruhte,als [er] wieder das Land und die Stadt besuchte, wo [er] vor vielen Jahrenbei dem unsterblichen Ferdinand von Richthofen [seine] erste wissenschaftlicheAusbildung in der Geographie Asiens genoß." Die Verehrung WilhelmII., der für ihn immer der "große, ritterliche und warmherzige"Kaiser blieb, resultierte aus Hedins Sozialisation in den akademischenKreisen Berlins während der Kaiserzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts.Sie war nicht zuletzt ausschlaggebend für die Selbst- und FremdetikettierungHedins als "Deutschfreund" in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis indie NS-Zeit.

Titelbild zu: Hedin, S.: Transhimalaja. Entdeckungen und Abenteuer in Tibet.Leipzig 1909 (Bd. 1).
In dem Vorwort heißt es weiter:
"In die Gesellschaft für Erdkundein Berlin kehrte ich nicht zurück als ein Fremdling, sondern alsalter Freund unter lauter Freunde. Bei zwei früheren Gelegenheitenhatte sie mich schon geehrt; diesmal hatte ich die Ehre, die größteAuszeichnung zu empfangen, die die Gesellschaft verleiht, und ich verstehe,welch große Verantwortung damit verbunden ist. [...] Es war mir aucheine besondere Freude, in Berlin viele meiner alten Kameraden aus Richthofens"Colloquium" wiederzusehen. Wir hatten Gelegenheit, liebe Erinnerungenvon 1889 und 1892 wieder aufzufrischen, und ich fühlte stärkerals je, wie tief meine "geographischen Wurzeln" in Deutschlands Boden ruhen.[...] Doch wollte ich alle die Veranlassungen zur Dankbarkeit aufzählen,die ich gegen meine deutschen Freunde habe, so würde ich den Raumüberschreiten, der mir zur Verfügung steht. Daher will ich zumSchluß nur meinem vieljährigen und treuen Freunde AlbertBrockhaus herzlich danken für das warme, verständnisvolleInteresse, das er mir und meinen Reisen stets gewidmet hat, und fürdie noble und hübsche Weise, in der er mein Transhimalajabuch ausgestattethat."
In diesem, verkürzt wiedergegebenenZitat sind bereits die wesentlichen Stichworte genannt oder angedeutet,die für das Forschungsprojekt "Sven Hedin und die deutsche Geographie",das von1996 bis 2001 durch die DFG gefördert wurde,  grundlegendwaren:
--- Hedins Verbundenheit mit Deutschland,dem er unter Führung eines starken "Kaisers" eine hegemoniale Stellungin Europa beimaß.
--- Die Einbindung des Forschungsreisendenin die deutschsprachige Geographie über die Gesellschaft fürErdkunde in Berlin und den Kreis der Richthofen-Schüler.
--- Die Freundschaft mit dem Verleger AlbertBrockhaus, der wesentlichen Anteil an der Popularisierung des Forschungsreisendenund Abenteurers Hedin hatte.
--- Hedins Kontakte zu deutschen Regierungsstellenwährend der Weimarer Republik und der NS-Diktatur.

Unter "Dokumente" sind zwei Briefe von MaxFriederichsen an Sven Hedin abgelegt, die beispielhaft für die Anerkennungund Würdigung Hedins innerhalb der deutschen Geographie vor dem ErstenWeltkrieg sind. Durchaus nicht untypisch ist in diesen Briefen die verblümtvorgetragene Kritik an den wissenschaftlichen Leistungen Hedins.