Geopolitik

Der erfolgreiche Asien-
forscher Sven Hedin hat nie in den einschlägigen geopolitischen Fachorganen publiziert. Seine Denk- und Argumentationsweisen stimmten jedoch mit denen vieler deutscher Geopolitiker überein: schon früh befürwortete er eine Hegemonialstellung Deutschlands, war während des Ersten Weltkrieges ein gern gesehener "Gast" sowohl an der West- als auch an der Ostfront und vollzog in den 20er Jahren wie viele deutsche Geographen den Schritt vom Mitteleuropakonstrukt zu den Größen- und Lebensraumphantasien der Nationalsozialisten. Zwar teilte Hedin deren Vorstellungen über die deutsche Expansionspolitik weitgehend, hatte aber entgegen seiner Selbsteinschätzung keinen Einfluss auf die "Regierung Hitler". Zur Beeinflussung der Massen instrumentalisierten die Nationalsozialisten den "neutralen Schweden", der zum Teil aus Überzeugung, zum Teil aus Opportunismus kooperierte. Rückblickend lässt sich schwer beurteilen, wo seine Gutgläubigkeit aufhörte und wo sein politisches und persönliches Kalkül begann.
Die Kontroversen um sein Buch Deutschland und der Weltfriede, das in Deutschland nicht erscheinen durfte, hielten Hedin 1938 nicht davon ab, sich mit dem Buch Fünfzig Jahre Deutschland  weiterhin NS-freundlich zu äußern und 1942 in enger Kooperation mit dem Propagandaministerium und anderen Regierungsstellen das Buch Amerika im Kampf der Kontinente zu publizieren.

Literatur: Mehmel, A. (2000): Sven Hedin und die nationalsozialistische Expansionspolitik. In: Diekmann, I.; Krüger, P. u. Schoeps, J. H. (Hg.): Geopolitik. Grenzgänge im Zeitgeist. Potsdam (2 Bd.), S. 189-236.