(Archiv Geogr. Inst. Bonn)
(Blatt 2)
Max Friederichsen an Sven Hedin am 19.10.1904 (SHA Vol 461 Tyskland,
Fn-Fö)
"Sehr geehrter Herr Doctor!
Sie haben mich von Neuem zu aufrichtigstem Dank verpflichtet! Einmal
für Ihre so freundlichen und anerkennenden Worte über mein Tienschan-Reisewerk
und sodann durch Übersendung Ihres neuesten Buches: "Abenteuer in
Tibet." Von Neuem habe ich mich von Ihrer grossen Kunst, einer anschaulichen
und doch so bescheidenen Darstellung unerhörter Gefahren und Abenteuer
fesseln lassen. Immer von Neuem wieder staune ich Ihre Tatkraft und Energie
an! Sie haben Recht getan in Form einer kurz und knapp das Fesselndste
auswählenden Darstellung der deutschen Jugend ein Buch zu bescheren,
aus welchem Sie wissenschaftlichen Idealismus und kühnen Mannesmut
gleichermassen zu lernen vermögen.
Vor vielen Wochen, ja Monaten bereits habe ich eine ausführliche
Analyse Ihres Werkes "Im Herzen von Asien" auf Hettner's Wunsch an
die Geographische Zeitschrift gesandt. Leider ist dieses Referat immer
noch nicht gedruckt worden. Ich bin an diesen Vorgängen schuldlos!
Desgleichen erhielt Perthes auf seinen Wunsch über den 1. Bd. Ihrer
wissenschaftlichen Resultate und die erste Atlas-Lieferung eine kurze Besprechung.
Welch' eine ungeheure Summe wertvollster Beobachtungen haben Sie bereits
in diesen ersten wissenschaftlichen Publicationen niedergelegt. Ich weiss
nicht, ob ich der Grösse Ihrer Leistung in meinem Referat habe gerecht
werden können. Versucht habe ich es immerhin.
Als ich vor wenigen Tagen meine Vaterstadt Hamburg verliess, um wieder
hierher in's Semester zu reisen sprach ich noch mit Professor Hettner,
welcher im Auftrage der Hamburger Oberschul-Behörde eine Reihe von
Vorlesungen zu halten hatte. Hettner sagte mir, dass er Sie gebeten habe
oder bitten wolle, über mein Tien-schan Werk einige Zeilen in der
Geographischen Zeitschrift zu schreiben. Werden Sie trotz Ihrer grossen
Arbeitslast dazu im Stande sein? Ich würde Ihnen ausserordentlich
dankbar sein, wollten Sie es thun.
Ich selber gehe bereits stark mit dem Gedanken um, von Neuem in den
Tien-schan hinauszuziehen + zwar diesmal in seinen wenig gekannten oestlichen,
chinesischen Teil. Ob es dazu kommen wird muss die Zukunft lehren.
Eine ganz besondere Freude haben Sie übrigens meinem braven Vater
gemacht mit Ihrer uneingeschränkten Anerkennung seiner mühseligen
kartographischen Mitarbeit. Es war wirklich rührend, wie begeistert
und unermüdlich er seine grosse kartographische Technik in den Dienst
meiner Sache gestellt hat. Sie werden am besten beurteilen können,
was es bedeutet, einen solchen Mitarbeiter gehabt zu haben."
Max Friederichsen an Sven Hedin am 21.12. 1909
"Lieber Freund Hedin!
Sie haben mir eine grosse und mit aufrichtig herzlichem Dank empfangene
Weihnachtsgabe durch Übersendung Ihrer 'Transhimalaja" dargebracht.
Nicht minder erfreut war ich durch Ihren freundlichen Brief und die Art
und Weise, wie Sie, verehrter Freund, den Versuch beurteilten, durch ein
Referat aus meiner Feder Ihren glänzenden Leistungen gerecht zu werden.
Was Sie mir schreiben, über die Mühe, welche Ihnen das Ausarbeiten
der Beobachtungen daheim macht, kann ich sehr wohl nachempfinden. Nur muss
ich sagen, Sie widerlegen sich eigentlich selber durch die Tat.
Die im Laufe der letzten 10 Jahre von Ihnen verarbeiteten Resultate
Ihrer grossen Züge durch Innerasien beweisen doch, dass Sie neben
dem Mann der kühnen Tat auch der Mann der rührigen Feder sind.
Wenn auch hier + da unsereiner wünschen möchte, dass angerührte
wissenschaftliche Probleme weiter von Ihnen selber verfolgt würden,
so haben Sie doch der Fachwelt in Ihren populären, wie wissenschaftlichen
Werken + Karten ein so gewaltiges Tatsachenmaterial, wohl gesichtet
+ beschrieben, übergeben, dass ich Ihre Selbstanklage als allzu
grosse Bescheidenheit nehmen muss.
Über Ihren "Transhimalaja" werde ich bei Hettner in der Geographischen
Zeitschrift referieren, sobald ich mit der Lectüre fertig bin. Da
ich beruflich sehr beschäftigt bin, kann darüber noch
einige Zeit vergehen.
Ich hörte unlängst, dass Sie von Neuem auf Vortragsreisen
gingen. Ist dass so? Dann könnten wir hier in Greifswald vielleicht
darauf hoffen, Sie zu hören? [...]"
Dokument aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes
Abschrift einer aufwendigen Urkunde, die dem AA als Kopie übersandt wurde, um zu belegen, dass die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin Sven Hedin in angemessener Form zum 60. Geburtstag gratuliert hat (R64620).
Sven Hedin
zum 19. Februar 1925
Die Gesellschaft
für Erdkunde zu Berlin
Stolz zählt die Gesellschaft für Erdkunde Sie zu Ihren Mitgliedern. Die höchsten Auszeichnungen, welche sie Forschungsreisenden und Gelehrten gewähren kann, hat sie Ihnen verliehen. Wenn sie Ihnen heute zur Vollendung des 60. Lebensjahres herzliche Glückwünsche darbringt, gelten sie aber nicht nur ihrem Ehrenmitgliede, nicht nur dem Manne, der durch seine Forschung unsere Kenntnis von Asien wie kein zweiter erweitert hat, sondern Ihrer ganzen Persönlichkeit, und entspringen dem Gefühl tief empfundener Dankbarkeit für die Gesamtheit Ihrer Leistungen.
Sie haben einmal Asien Ihre Braut genannt. Es gibt keinen anderen, der so wie Sie in das Herz des größten Erdteils eingedrungen ist. Spielend überwanden Sie die Ihnen entgegentretenden Schwierigkeiten, mochten sie ausgehen von der Natur oder vom Menschen, und meisterten die größte Gefahr, die dem Wanderlustigen droht, daß er abermals hinauszieht, bevor er die Früchte der letzten Reise verarbeitet hat. Kaum waren Sie von einer Reise durch Asiens Wüsten oder vom Transhimalaja zurückgekehrt, so boten sie einen anziehenden Bericht und ihm ließen Sie durch Ihr "Southern Tibet" die Krone aufsetzen. So konnten sowohl die Allgemeinheit wie die wissenschaftliche Welt immer sofort von Ihren Entdeckungen erfahren, und während die einen Sie als zweiten "Marco Polo" priesen, schätzen wir Sie als den einzigen Sven Hedin.
Die zähe Ausdauer des Reisenden paart sich in Ihnen mit dem scharfen Blick des kundigen Beobachters, die Anschaulichkeit Ihrer Schilderungen durch das Wort mit der Sicherheit der Zeichnung Ihrer Hand. Alles, was Sie bieten, wird beherrscht von dem Streben nach Wahrheit. Sie schildern die Dinge so, wie Sie sie sehen, und weil wir Ihre Wahrhaftigkeit in allem so tief empfinden, so ist es uns nicht nur wertvoll, sondern Erquickung und Trost zugleich, daß Sie in schwerer Stunde zu Deutschland gehalten haben.
Weil Sie nicht nur Reisender, sondern auch Forscher sind, weil Sie nicht nur treuer Berichterstatter, sondern auch Gelehrter sind, weil Sie in so lebhafter Weise empfinden, daß auch weiteste Kreise nicht nur unseres Volkes, sondern der gesamten Menschheit Kenntnis der Erde von Pol zu Pol haben sollten, so ist uns nicht bange, daß die ruhigeren Jahre, die nun auch für Sie kommen werden, Ihre unermüdliche Kraft beeinträchtigen könnten. Sie werden nach wie vor Mittel und Wege für erfolgreiche Arbeiten finden. Möchte Ihnen noch durch viele Jahre vergönnt sei, solche in der beneidenswerten Frische zu leisten, die Sie immer besessen haben.
Der Vorstand der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin
Vorsitzender Stellvertretender Vorsitzender Generalsekretär