Arbeitskreis Geschichte der Geographie: Rundschreiben 4
Sehr geehrte Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte der Geographie,
als wichtigste Zusammenkunft unseres Arbeitskreises im Jahre 2003 wirft
der 54. Deutsche Geographentag in Bern seine Schatten voraus. Inzwischen
wurden die Programmhefte mit den Einladungen verschickt. Unser Arbeitskreis
wird seine Sitzung am Donnerstag, den 2. Oktober von 9 – 13 Uhr
abhalten. Vorgesehen ist folgender Programmablauf:
1. Bergwelten. Zur geographischen Erforschungsgeschichte der Hochgebirge
Josef Birkenhauer
Die Darstellung der Alpen in der Malerei seit der Frühen Neuzeit
Imre Josef Demhardt
Hochgebirgswelten im frühen Kartenbild. Entdeckungen im Spiegel
von „Petermanns Geographische Mitteilungen“
Henning Meumann
Das Dilemma der „Leitdisziplin“ Geographie in interdisziplinären
Projekten: Beispiel MAB Schweiz
Dauer der Vorträge: ca. 25-30 min., anschließend Diskussion.
Gesamtdauer: 120 min.
2. Aktuelle Forschungsvorhaben und Projekte zur Geographiegeschichte
Astrid Mehmel
Geographie und Versailler Vertrag. Politische Diskurse in der Geographie
im Schatten von Versailles
Bruno Schelhaas
Der Nachlass Wolfgang Hartke als Quelle zur Geschichte der deutschen
Hochschulgeographie nach 1945
Weitere Berichte sind erwünscht!
Dauer der Berichte: ca. 15-20 min., anschließend Diskussion.
Gesamtdauer: 90 min.
3. Aussprache über anstehende und geplante Vorhaben
Die Aussprache kann auch in kleinerem Kreis nach der AK-Sitzung fortgesetzt
werden. Mögliche Punkte sind: Ratzel-Kongress in Leipzig 2004, Petermann-
und Richthofen-Jubiläen 2005, Oral-History-Projekt, Zukunft des „Rundschreibens“.
Ich hoffe sehr, dass sich möglichst viele Mitglieder des AK bzw.
Interessierte an der Geographiegeschichte einfinden. Unser kleiner Kreis
muss die wenigen, sich bietenden Gelegenheiten der Zusammenkunft und der
Aussprache nutzen!
In den vergangenen Wochen fanden zwei Veranstaltungen statt, über
die kurz berichtet werden soll:
99. Kongress der Association of American Geographers in New
Orleans vom 4. – 8. März
Am 99. Amerikanischen Geographenkongress nahmen über 4.000 Geographen
teil, darunter auch etwa 40-50 aus Deutschland. Unter den überaus
zahlreichen Sitzungen befanden sich mehrere mit geographiegeschichtlichen
Inhalten. Unter dem Leitthema „Transatlantic Geographies“ hatte Wolfgang
Natter von der University of Kentucky ein Panel organisiert, auch als konkretes
Ergebnis des 2002 abgeschlossenen Kooperationsvertrages zwischen der University
of Kentucky in Lexington und dem Institut für Länderkunde. Vorträge
hielten Heinz Peter Brogiato über die Geschichte der deutschen Schulgeographie
zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus, Ute Wardenga über die
Rezeptionsgeschichte der Zyklustheorie William Morris Davis‘ in der deutschen
Geographie und Wolfgang Natter über den Einfluss Friedrich Ratzels
auf die U.S.-amerikanische Geographie.
Der Jubiläumskongress im kommenden Jahr in Philadelphia
wird sicher für die Disziplingeschichte von besonderem Interesse sein.
Anlässlich des 100. Geburtstages von Karl Helbig (1903 – 1991) fand ein Gedenkkolloquium in seiner Geburtsstadt Hildesheim vom 20. – 22. März statt. Mit Helbig wurde einer der schillerndsten deutschen Geographen des 20. Jahrhunderts gewürdigt, der in der Geographie heute fast vergessen ist. Als Schüler von Siegfried Passarge promovierte er 1930 in Hamburg; zehn Jahre später habilitierte er sich in Marburg. Trotz dieser akademischen Weihen verdiente er sich seinen Lebensunterhalt weiterhin mit der Tätigkeit als Schiffsheizer und als freischaffender Schriftsteller, dessen Werk über 600 Publikationen umfasst. Eine akademische Laufbahn blieb Helbig verwehrt, wohl weil er politisch „links“ stand, vor allem aber auch, weil ihm das nötige „Sitzfleisch“ fehlte und er seine Freiheit als Reisender und Forscher nicht aufgeben wollte. Das von Prof. Werner Rutz (Bochum) organisierte Kolloquium versuchte dem vielseitigen Leben und Werk Helbigs gerecht zu werden. Die Vorträge behandelten ihn unter anderem aus sehr persönlichem Blickwinkel, als wissenschaftlichen Geographen und Völkerkundler, als Jugendbuchautor und Seemann und schufen so einzelne Facetten einer beeindruckenden Persönlichkeit.
Für das 2004 stattfindende Ratzel-Symposium wurde inzwischen der erste Call for Papers verfasst und sowohl im Newsletter der IGU (www.uni-pau.fr/Recherche/UGIHG/Reunions/) als auch im „Rundbrief Geographie“ (Nr. 180, S. 24) veröffentlicht. Alle Interessierten werden hiermit nochmals aufgefordert, Vorschläge für Vorträge (in deutsch oder englisch) einzureichen.
Hans Böhm macht auf die Ausstrahlung folgender, forschungsgeschichtlich
interessanter Filme aufmerksam:
Im ZDF:
29. 6. 2003, 19.30 Uhr: Auf den Spuren von Heinrich Barth: Durch die
Sahara.
6. 7. 2003, 19.30 Uhr: Auf den Spuren von Taddäus Haenke: Durch
die Atacama.
13. 7. 2003, 19.30 Uhr: Auf den Spuren von Sven Hedin: Durch die Gobi
und die Taklamakan.
(Dieser Beitrag unter Mitwirkung von Prof. Dr. D. Jäkel, Berlin
und H. Böhm, Bonn)
Archiv für Geographie / Institut für Länderkunde
Dem Archiv wurde vor wenigen Wochen durch Ute Wardenga der wissenschaftliche
Nachlass von Ernst Plewe (1907 – 1986) übergeben, der allerdings
einer öffentlichen Nutzung momentan noch nicht zugänglich ist.
In Bearbeitung befindet sich eine Publikation und eine Posterausstellung
anlässlich des 100-jährigen Jubiläums einer Expedition
in die ecuadorianischen Hochanden, die der Leipziger Geograph Hans
Meyer und der Münchner Maler Rudolf Reschreiter 1903 unternahmen.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Alpenverein soll die Publikation zum
Deutschen Geographentag in Bern vorgelegt werden.
Das Institut für Länderkunde wurde gebeten, sich an den beiden
folgenden geographiehistorisch relevanten Projekten zu beteiligen:
Im Dresdener Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde
wurde mit der Erstellung einer Sächsischen Biografie begonnen. Ich
habe hierzu eine Liste mit über 150 „Geographen“ erstellt, die für
eine Bearbeitung vorgesehen sind. Das Projekt soll sich über mehrere
Jahre hinziehen; zunächst ist nur an die Publikation im Internet gedacht.
Wer an einer Mitarbeit interessiert ist, kann sich an mich wenden oder
direkt mit der Koordinatorin, Frau PD Dr. Martina Schattkowsky (isgv@mailbox.tu-dresden.de)
Kontakt aufnehmen.
Desweiteren erhält der AK die Möglichkeit, in einer der führenden Fachzeitschriften laufend eine Rubrik zu belegen: Der Deutschen Gesellschaft für Geographie stehen zukünftig in „Petermanns Geographische Mitteilungen“ mehrere Druckseiten für Mitteilungen und Nachrichten zur Verfügung. Sie hat den AK gebeten, regelmäßig in kurzen Beiträgen über wissenschaftshistorische Jubiläen zu berichten. In Abstimmung mit dem Präsidenten der DGfG wurde eine Liste möglicher Anlässe zusammengestellt. Als erstes erscheint ein Beitrag von Ute Wardenga zu Hans Spethmanns „Dynamischer Länderkunde“, die vor 75 Jahren erschien.
Unter den Literaturhinweisen, die seit dem dritten Rundschreiben Eingang in die Geographische Zentralbibliothek gefunden haben, sei auf den Tagungsband zum 150. Geburtstag von Joseph Partsch hingewiesen. Das Kolloquium wurde bekanntlich vom AK mit organisiert; mehrere Vorträge stammen von Mitgliedern unseres AK.
Auch dieses Mal darf abschließend die Bitte nicht fehlen, uns auf relevante Neuerscheinungen hinzuweisen oder evt. der GZB als Belegexemplar zur Verfügung zu stellen. Ebenso möchte ich nochmals dringend bitten, uns Informationen zur Fachgeschichte jedweder Art (Projekte, Ausstellungen, Tagungen, Publikationen usw.), mitzuteilen.
Für den Arbeitskreis „Geschichte der Geographie“
gez.
Dr. Heinz Peter Brogiato
E-Mail: H_Brogiato@ifl-leipzig.de