Willkommen auf
der Homepage des Arbeitskreises Geschichte der Geographie in der Deutschen
Gesellschaft für Geographie (DGfG)
Fachgeschichtsschreibung
wird heute nicht mehr nur dann betrieben, wenn es gilt, irgendwelche Jubiläen
zu begehen oder neue Forschungsansätze im Lichte der Geschichte ex
ante zu legitimieren. Neben einer Gruppe von Hochschulgeographen, die
sich gelegentlich der Geschichtsschreibung zuwandten, hat sich seit der
Nachkriegszeit eine Gruppe von Spezialisten herausdifferenziert, die sich
über einen längeren Zeitraum hinweg mit der Erforschung der Disziplingeschichte
beschäftigt hat. Dies führte nicht nur zur allmählichen
Herausbildung engerer Forschungszusammenhänge, sondern auch zu einer
Öffnung nach außen. Diese kommt einerseits in der Angleichung
der Forschungsverfahren an die in den Geschichtswissenschaften gebräuchlichen
Methoden zum Ausdruck, führt aber auch zur Auflösung des traditionell
engen, ja bisweilen hermetischen Fachbezugs zugunsten von Fragestellungen,
die die Geographie als ein Fach unter Fächern vor einem allgemeinhistorischen
bzw. wissenschaftshistorischen Hintergrund beschreiben.
In den späten 80er
und verstärkt noch in den 90er Jahren wurde auf den Ergebnissen der
neuen Historiographie aufbauend radikal mit einer Geschichtsschreibung
gebrochen, die unter weitgehend unreflektierter Bezugnahme auf die jeweilige
Gegenwart historische Texte aus der Perspektive des gerade gültigen
Paradigmas interpretiert und so Sukzessionen von jeweils auf die neueste
Gegenwart getrimmten Geschichtsbildern postuliert, in denen das Eigene,
Andere und auch das Fremde der Vergangenheit vollständig zugunsten
einer nur noch vermeintlichen Tradition verschwindet. Gegenüber den
herkömmlichen Formen von Disziplingeschichts-schreibung erhielt die
historisch-kritische Dokumentation und Interpretation des gedruckten sowie
ungedruckten Quellenmaterials einen ganz neuen, entscheidenden Stellenwert.
In disziplin-historischen Analysen wurde seit den 80er Jahren untersucht:
die politische Verstrickung des Faches
mit NS-Organisationen;
die Affinität geographischer Denkmuster
mit NS-Theoremen;
das Verhältnis von Geopolitik
und Politischer Geographie;
die personelle, institutionelle und
fachinhaltliche Konstanz in der Zeit nach 1945.